Ein Leitungspreis ist keine einzelne Zahl. Er besteht aus Grundpreis und Kupferzuschlag, und beide verhalten sich völlig unterschiedlich: Der eine bleibt monatelang stehen, der andere ändert sich an jedem Werktag. Wer aus einem Katalog-PDF kalkuliert und sich später über die Rechnung wundert, hat fast immer nur die erste Hälfte angesehen.
Warum Leitungen überhaupt zweiteilig bepreist werden
Kupfer ist ein börsengehandelter Rohstoff; Kunststoff, Arbeit und Trommel sind es nicht. Veröffentlichte ein Hersteller einen einzigen Gesamtpreis, müsste er bei jeder Bewegung des Metalls die gesamte Preisliste neu herausgeben — und trüge das Preisrisiko zwischen Veröffentlichung und Lieferung. Deshalb wird der Preis genau dort geteilt, wo das Risiko liegt:
- Der Grundpreis deckt alles ab, was nicht Kupfer ist: Isolierung, Mantel, Schirm, Verseilung, Trommel, Marge. Er ändert sich, wenn der Lieferant die Preisliste überarbeitet, üblicherweise einige Male im Jahr.
- Der Kupferzuschlag deckt das Metall ab und wird aus der Notierung des Bestelltages neu berechnet.
Deshalb kann eine Leitung, die im Katalog mit 0,42 €/m steht, deutlich darüber berechnet werden. Der Katalogpreis war nie der ganze Preis.
Die drei Zahlen, die Sie brauchen
Die Kupferzahl
Die Kupferzahl (Cu-Zahl) ist die Kupfermasse der Leitung in Kilogramm je Kilometer. Sie folgt aus dem Aufbau — Querschnitt, Aderzahl, ob ein Kupfergeflecht vorhanden ist — und ist für diesen Artikel eine Konstante. Der Lieferant veröffentlicht sie neben dem Grundpreis. Sie ist der Grund, warum eine Leitung 4 × 25 mm² dem Metallpreis rund zwanzigmal so stark ausgesetzt ist wie eine 4 × 1,5 mm².
Die Notierung
Im deutschsprachigen Markt ist die Bezugsgröße die DEL-Notiz (Deutsches Elektrolytkupfer für Leitzwecke), veröffentlicht an jedem Werktag in Euro je 100 kg. Die meisten Lieferanten rechnen nicht mit der reinen Notiz ab, sondern mit der Notiz zuzüglich eines Bezugsaufschlags — „DEL plus 1 %“ ist die verbreitete Vereinbarung. Außerhalb dieses Marktes übernimmt eine LME-basierte Notierung dieselbe Rolle; die Rechnung bleibt dieselbe.
Die Kupferbasis
Die Kupferbasis ist der Kupferpreis, der im Grundpreis bereits enthalten ist. Liegt die Basis bei 150 € je 100 kg, hat der Lieferant Kupfer bis zu diesem Stand eingerechnet, und der Zuschlag berechnet nur noch die Differenz. Die Basen 100 und 150 sind beide verbreitet; manche Preislisten arbeiten mit der Basis null — dann enthält der Grundpreis überhaupt kein Kupfer und der Zuschlag trägt die gesamten Metallkosten.
Hier entsteht der häufigste Fehler. Zwei Grundpreise zu vergleichen, ohne die Kupferbasen zu prüfen, vergleicht gar nichts — ein Grundpreis auf Cu 150 und einer auf Cu 0 sind verschiedene Größen unter derselben Bezeichnung.
Die Rechnung
Zusammengesetzt, je Kilometer Leitung:
Zuschlag [€/km] = Kupferzahl [kg/km] × (Notierung × 1,01 − Kupferbasis) [€/100 kg] ÷ 100
Ein durchgerechnetes Beispiel mit einer Kupferzahl von 100 kg/km, einer DEL-Notiz von 850 €/100 kg und einer Kupferbasis von 150:
| Schritt | Wert |
|---|---|
| Abrechnungsnotierung (DEL + 1 %) | 858,50 € / 100 kg |
| abzüglich Kupferbasis | − 150,00 € / 100 kg |
| abzurechnendes Kupfer | 708,50 € / 100 kg |
| × Kupferzahl 100 kg/km ÷ 100 | 708,50 € / km — also 0,71 € je Meter, zusätzlich zum Grundpreis |
Ob der Grundpreis nun bei 0,42 €/m oder bei 0,95 €/m lag: Der Zuschlag ist hier der größere Anteil. Eine Kalkulation allein auf der Katalogzahl liegt nicht ein wenig daneben. Sie irrt um mehr als den Preis, den sie verwendet hat.
Was das für die Kabelbaum-Kalkulation bedeutet
Das Risiko verteilt sich nicht gleichmäßig über die Stückliste
Steckverbinder, Kontakte, Dichtungen und Tüllen tragen keine nennenswerte Kupferzahl. Das Metallrisiko eines Kabelbaums steckt fast vollständig in wenigen großen Querschnitten und in der Gesamtlänge. Zwei Kabelbäume mit gleich vielen Positionen können daher völlig unterschiedlich empfindlich auf den Kupferpreis reagieren — ein pauschaler Prozentpuffer über das gesamte Angebot verteuert entweder den steckverbinderlastigen Auftrag oder unterbepreist den Leistungskabelbaum.
Die Losgröße kommt durch eine andere Tür herein
Leitung wird ab Ring oder als Zuschnitt verkauft, und ein Zuschnitt kostet meist eine feste Schnittgebühr je Bestellung. Diese Gebühr fällt je Bestellung an, sie ist kein Meterpreis. Rechnet man sie in einen €/m-Wert hinein, wirken kurze Zuschnitte absurd teuer, und jeder Vergleich mit einem vollen Ring wird unbemerkt verfälscht. Die Schnittgebühr gehört als eigene Position geführt — sie hängt an der Bestellung, nicht am Meter.
Ihr Angebot hat eine Haltbarkeit, ob Sie eine nennen oder nicht
Der Zuschlag wird zum Bestelldatum neu berechnet, nicht zum Angebotsdatum. Wer heute anbietet und in sechs Wochen den Auftrag erhält, trägt die Differenz selbst, sofern nichts anderes vereinbart ist. Drei vertretbare Wege: die Bindefrist kurz halten, Notierung und Stichtag der Kalkulation im Angebot nennen, oder eine Preisanpassungsklausel auf die veröffentlichte Notierung vereinbaren. Was nicht funktioniert: neunzig Tage Festpreis und Hoffnung.
Wie Nuqo damit umgeht
Nuqo bepreist Leitungspositionen aus aktuellen Händlerdaten statt aus einer gespeicherten Katalogzahl. Der Kupferanteil entspricht damit dem, was das Material zum Zeitpunkt der Kalkulation tatsächlich kostet, und die Kostenaufstellung zeigt je Position, auf welcher Grundlage gerechnet wurde. Das beseitigt den Fehler aus veralteten Katalogpreisen. Die kaufmännische Entscheidung nimmt es Ihnen nicht ab: Wie lange Sie den Preis halten und ob Sie das Metallrisiko tragen oder weitergeben, entscheidet weiterhin, wer das Angebot unterschreibt.
